Die Jahre bis zur Stilllegung

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Stilllegung der Kreisbahn weiterverfolgt. Am 29.06.1933 beschloss der Kreistag, die Verlängerung bis Rothenburgsort nicht mehr in Betracht zu ziehen und alle Leistungen mit Ausnahme der dringensten Unterhaltungskosten zu streichen. Mit Kreistagsbeschluß vom 10.10.1933 wurde dem Regierungspräsidenten am 06.11.1933 der Antrag auf Stilllegung des Personenverkehrs gestellt. Am 17.03.1934 wurde im Amtsblatt der Regierung für Schleswig die Verpflichtung zum Personenverkehr aufgehoben. Es wurde zur Auflage gemacht, daß Ersatzomnibuslinien in Betreib genommen werden. Der Kreis Stormarn plante daraufhin den Personenverkehr zum 15.05.1934 einzustellen. Gleichzeitig beschloß der Kreistag am 23.02.1934 den Antrag auf Stilllegung des Güterverkehrs. Somit wäre die Kreisbahn zu diesem Zeitpunkt gänzlich stilllgelegt worden.

Glücklicherweise genehmigte die Hamburger Hochbahn AG die Ersatzbuslinien nicht rechtzeitig, somit konnte der Personenverkehr nicht zum geplanten Termin eingestellt werden. Am 11.08.1934 sprach sich zudem der Hamburgisch-Preußische Landesplanungsausschuß dafür aus, die Kreisbahn aus siedlungspolitischen Gründen zu erhalten.

Im Jahre 1935 änderte sich die Einstellung des Kreises zur Bahn grundlegend. In Glinde plante das Luftfahrtministerium das Geheimprojekt KuHa, Kurbelwellenwerk Hamburg der Firma Krupp. Es sollten 700 Arbeiter mit ihren Familien in Stormarn angesiedelt werden. Zudem plante man in Glinde ein Heereszeugamt mit Munitionsanstalt, wo zusätzlich 200 - 300 Beschäftigte angesiedelt werden sollten. Voraussetzung für diese beiden Großprojekte war ein Gleisanschluß in Glinde. Am 18.11.1935 wurde ein entsprechende Antrag auf Zuweisung von Reichsmittel gestellt.

Es galt drei Verbesserungsmaßnahmen durchzuführen:

  • Die Kreisbahn  sollte bis Rothenburgsort verlängert werden (445000 RM)
  • Der Oberbau der Gleise mußte verstärkt werden. Kiesbettverstärkung auf der Strecke Billstedt-Boberg und Schwellenvermehrung auf der Strecke Boberg-Glinde (42500 RM)
  • Zwei neue Holzgastriebwagen mußten angeschafft werden (126000 RM)

Die erste Maßnahme wurde vom Landrat aus dem Hintergrund zurückgestellt. da die Hamburger Hochbahn AG eine U-Bahn vom Hauptbahnhof nach Billstedt plante. Von Billstedt aus plante man eine neue Bahnlinie bis Glinde/Willinghusen, die verkehrstechnisch die bessere Lösung gewesen wäre.

Im Jahre 1936 gab es zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder schwarze Zahlen. Hierzu trugen nicht unwesentlich der Güterverkehr für das Heereszeugamt und das Kurbelwellenwerk in Glinde bei. Aber auch die direkten und indirekten Gemeinden an der Strecke halfen die Unkosten zu tragen. Ein Bescheid der Kreiskämmerei aus dem Jahre 1936 an die Gemeinde Glinde hatte folgenden Wortlaut:

<....Die am Bau der Südstormarnschen Kreisbahn direkt und indirekt beteiligten Gemeinden sind gemäß Beschluß des Kreistages vom 11. Februar 1902 zwecks Deckung der nicht durch eigene Einnahmen zu bestreitenden Kosten für Verzinsung und Tilgung der für den Bahnbau aufgenommenen Kreisanleihe mit 40% im voraus zu belasten.....>

Was die Gemeinden in den Jahren 1937-1940 im einzelnen beisteuerten, geht aus folgender Tabelle hervor.

                    Gemeinde                       Steuerkraftmeßzahl für     Vorausbelastungsbetrag___ _                                                                   1940                 für die Rech. J. 1937/40

Glinde

  85 534

 370,53

Grönwohld

  17 710

  76,73

Havighorst

  12 694

  55,00

Hoisdorf

  39 713

 172,05

Langelohe

    4 619

  20,02

Lütjensee

  42 962

 186,12

Papendorf

    4 920

  21,32

Siek

  16 249

  70,40

Stellau

    8 837

  38,29

Stemwarde

    8 449

  36,60

Trittau

117 514

 509,07

Willinghusen

  12 574

  54,47

Summe direkt beteiligter Gemeinden                  371 775                      1 610,60                ___________________________________________________________________________
Bemerkungen: 1 610,60 geteilt durch 371 735 = 0,4332 RM

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Braak

   8 103

  21,22

Großensee

  27 081

 70,87

Kronshorst

   6 633

 17,36

Meilsdorf

   5 635

 14,75

Oetjendorf

   4 853

 12,71

Oststeinbek

 29 510

 77,23

Rausdorf

   5 290

 13,84

Stapelfeld

  27 972

 73,21

 Summe indirekt beteiligter Gemeinden               115 077                       301,19      ___________________________________________________________________________                      Bemerkungen: 301,19 geteilt durch 115 077 = 0,2617 RM
            

Am 08.03.1937 nahm der Regierungspräsident seine Genehmigung zur Stillleging der Personen- und Güterverkehrs zurück, die Kreisbahn war endlich konsolidiert. Durch die beiden Rüstungsbetriebe in Glinde war die Diskussion um die Stilllegung beendet und der Gleisanschluß für beide unumläßlich.

Nach der Kapitulation 1945 übernahm die britische Militärregierung zunächst die Betriebsleitung. Aus dem KuHa Gelände, welches nur unbedeutend von Luftangriffen beschädigt war, wurde alles Brauchbare per Bahn abtransportiert. Das Heereszeugamt war durch einen britischen Luftangriff am 06.10.1944 größtenteils zerstört worden. Am 04.05.1945 verließen die deutschen Soldaten das Heereszeugamt und die Briten nahmen sich dem Gelände an. Hier sollte später das zentrale Versorgungsdepot für die Britische Rheinarmee entstehen, was wiederum den Erhalt der Kreisbahn sicherte.

Am 08.06.1945 erreichte ein Flüchtlingszug der Kleinbahn Freienwalde - Zehden den Bahnhof Trittau. Die mitgebrachten Dampflokomotiven, Triebwagen und Waggons wurden in den Bestand der Kreisbahn übernommen, genauso wie das Bahnpersonal.

In den Nachkriegsjahren erhöhte sich der Personenverkehr zunächst, bedingt durch die Flüchtlinge aus den Ostgebieten aber auch ausgebomter Hamburger.  Auch die sogenannten Hamsterer trugen zum Anstieg der Beförderten Personen bei. Aber der nun stark gesunkene Güterverkehr und Verlagerung des Personenverkehrs auf Autobuslinien ließen die Kreisbahn wieder rote Zahlen schreiben.


Im Auftrag des Kreises erstellte die Wirtschaftsberatung Aktiengesellschaft - Wirtschafts- prüfungsgesellschaft Düsseldorf ein Gutachten über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Südstormarnschen Kreisbahn. In diesem 69seitigem Werk wird sehr detailliert die Situation der Kreisbahn beleuchtet, ja sogar denkbare Verbesserungen werden ausgiebig beschrieben. Als Schlußfolgerung wird allerdings die Stilllegung des Abschnitts Glinde - Trittau empfohlen.

Dieses Gutachten diente dem Kreis als Entscheidungshilfe, wurden doch im Jahreshaushalt 1950 Defizite von 100 000 - 200 000 DM verzeichnet. Aber diese Defizite waren nur scheinbar, da die Bahn von ihrer Substanz lebte. Allein die Sanierung der Strecke Glinde - Trittau hätte jährlich 130 000 DM bei einer Laufzeit von 10 Jahren benötigt, also 1,3 Millionen DM. Somit beschloß der Kreistag in einer nichtöffentlichen Sitzung am 20.02.1952 die Bahn stillzulegen, lediglich der Güterverkehr Billstedt - Glinde sollte aufrecht erhalten bleiben.

Auch das Aufbegehren mehrerer Anlieger konnte dies nicht verhindern. Und somit wurde der Abschnitt Trittau - Glinde am 15.03.1952 stillgelegt. Bei der letzten Fahrt hingen zum stillen Protest und zum Abschied an einigen Bahnhöfen schwarze Fahnen und in Grönwohld wurde vom Bezirksschornsteinfeger symbolisch ein letztes Mal der Schornstein der Dampflok gereinigt.

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Ein letztes mal taucht die Südstormarnsche Kreisbahn in einem amtlichen Fahrplan auf. Hier die Ausgabe der Eisenbahndirektion Hamburg, Winterfahrplan vom 07.10.1951 - 17.05.1952.

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